Wald

Der Wald ist ein Hotspot der Artenvielfalt, egal in welcher Klimazone er wächst und unabhängig von Typ und Standort.
Der Wald hat eine überragende Bedeutung für das Leben auf diesem Planeten.
Aber – warum ist das so?

Evolution

Mikroorganismen und vor allem Pilze ermöglichten es den Pflanzen, auf dem Land Fuß zu fassen.
Pflanzen waren es, die unseren schönen „blauen“ Planeten für Tiere und den Menschen überhaupt erst bewohnbar gemacht haben.

Seit vor vielen Millionen Jahren die ersten Lebewesen aus dem Meer gekommen sind, hatten sie bei der Besiedlung des Landes riesige Probleme:

  • Wasser musste in den neuen Lebensräumen vorhanden sein
  • Die Temperaturen mussten erträglich sein

Die über dem Meer entstandenen Wolken können den Regen maximal 600 km weit auf einen Kontinent tragen. Je weiter vom Meer entfernt, desto trockener wird es. Für dieses Problem brauchte es ein Lösung, und diese Lösung heißt Wald!

Über dieses Thema gibt es von 3sat einen hervorragenden Beitrag:
Im Reich des Wassers!

Seit der ersten Besiedlung der Kontinente durch Pflanzen sind hochkomplexe Biotope entstanden, aus denen der Wald aber auch andere Vegetationsformen entstanden sind. Diese Biotope können das Wasser beliebig weit in das Landesinnere tragen, unfassbare Mengen an Wasser speichern und die Temperaturen auf angenehme Werte kühlen können.

Das klingt doch so, als könnten wir das Heute, in Zeiten des Klimawandels und Erderhitzung sehr gut gebrauchen, oder?

Die Ursachen des Klimawandels

Wie hilft der Wald?

Dazu sollten wir als erstes den Unterschied zwischen Monokulturen und Biotopen kennen. Wenn im Folgenden von Wald die Rede ist, ist immer das Biotop Wald gemeint!

Zum Glück hilft der Wald sofort und auch dann, wenn nur wir alleine für uns selbst schon mal beginnen. Wir werden die Auswirkungen schnell spüren. Das Biotop „Wald“ erschafft und erzeugt genau das Klima, das wir Menschen so dringend benötigen.

Wenn es um Maßnahmen gegen die Erderhitzung geht, fragen wir uns schon: Warum bloß geht es so langsam?

Um besser verstehen zu können, warum der Wald so unfassbar gut helfen kann, folgt hier eine kurze Beschreibung des Biotops „Wald“, und zwar von oben nach unten.

Die Krone der Bäume

Das Kronendach der großen Bäume bietet nicht nur Säugetieren, Vögeln und Insekten einen Lebensraum, sondern auch weiteren Pflanzenarten. Diese Zone des Biotops „Wald“ trägt eine riesige Artenvielfalt.

Das Blätterdach verdunstet sehr viel Wasser und kühlt dadurch die Luft. Durch die aufsteigende Feuchtigkeit vermag ein ausreichend großer Wald selbst Wolken zu erzeugen. So entstehen, zum Beispiel, die täglichen Gewitter über dem Amazonasgebiet. Außerdem können die Wälder die Wolken, die sich über den Meeren bilden, tiefer in die Kontinente leiten; ganz so, als wären sie eine Fortführung des Meeres. Auf diese Weise sorgen die Wälder für die eigene Bewässerung und wirken der Dürre entgegen.

Aber auch im kleineren Maßstab funktioniert das. Wälder kühlen die Luft. Je kühler die Luft ist, desto weniger Wasserdampf kann sie enthalten. Wenn die Luft abkühlt, muss überschüssiger Wasserdampf kondensieren und abregnen.

In Anbetracht der aktuellen Waldbrände in Brandenburg und Sachsen fragt man sich natürlich, ob solch ein Biotop „Wald“ nicht auch hier hilfreich wäre.

Das geschlossene Blätterdach erzeugt eine besondere Atmosphäre im Wald. Das Blätterdach spendet Schatten, erzeugt einen kühlen und feuchten Innenraum und trägt damit wesentlich zur Kühlung und zum Gedeihen des gesamten Waldes bei. Messungen haben gezeigt, dass die Bodentemperatur in der Sommerhitze leicht um bis zu 10°C kühler ist als in der Umgebung.

Sträucher und Büsche

Das ist die nächsttiefere Schicht des Biotops „Wald“.

Sträucher bilden Waldrand oder auch den Rand von Lichtungen. Sie können aber auch zwischen den großen Bäumen wachsen, je nachdem, wieviel Licht sie durchlassen.

Diese Ebene ist vielleicht von der größten Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren geprägt. Sie besteht aus Holunder, Schlehe, Wildrose, Haselnuss, Berberitze und vielen weiteren Heckenpflanzen und bietet den Tieren Nahrung und Schutz.

Wo es keine Bäume gibt, können Sträucher für die Überschattung des Bodens sorgen und den Bäumen das Aufwachsen ermöglichen. Das bedeutet, dass die Sträucher eine besondere Bedeutung beim Wiederbegrünen der Welt haben.

Überall in der Natur sind es die Grenzbereiche, also der Waldrand, die Küste, die Meeresoberfläche oder der Kronenbereich der Dschungel, die die größte Artenvielfalt haben. Eine Heckenlandschaft oder ein Korallenriff ist in diesem Sinne ein gedehnter Grenzbereich – mit entsprechender Artenvielfalt.

Farne, Kräuter, Blumen und Gräser

Je nach Bodenbeschaffenheit, Nährstoffangebot und Sonneneinstrahlung kann diese Schicht sehr unterschiedlich aussehen. Fehlt diese Schicht jedoch, ist dies ein starkes Anzeichen dafür, dass der Wald nicht gesund ist. Ein Buchenwald ist allerdings etwas ganz anderes. Unter Buchen ist es immer dämmrig, weil sie so wenig Licht durchlassen. Hier haben es Sträucher und Gräser schwer. Hier leben hauptsächlich Pflanzen, die ihren Wachstumszyklus weitgehend abgeschlossen haben, bevor die Buchen ihr Laubwerk bilden.

Die Schicht der Gräser und Kräuter erzeugen eine große Biomasse, die den Humus füttert. In ihrem Schutz können die Sträucher und Bäume gut keimen und finden einen fruchtbaren Untergrund.

Auch diese Schicht bildet wieder ein eigenes Ökosystem mit einem großen Artenreichtum.

Die Humusschicht

Es ist schon fast philosophisch:
Der Ort, ab dem alles Tote immer weiter zersetzt wird, ist der Quell des Lebens.

Hier werden einige Aspekte über die Bodenbeschaffenheit diskutiert.

Ab hier wird das Biotop im wahrsten Sinne des Wortes undurchsichtig. Dennoch ist der Humus der Schlüssel des Biotops, der Schoß der Fruchtbarkeit. Wald wird nur gedeihen können, wenn wir den Humus füttern. Ich schätze, die Humusschicht ist der komplexeste und vielfältigste Lebensraum des ganzen Waldes. Und hier liegt auch das größte Geheimnis über die Vitalität und Kraft des Waldes. Was sich hier abspielt, ist nicht einmal annähernd erforscht.

Insekten, Würmer und Mikroorganismen zersetzen das organische Material, wobei den Pilzen eine Schlüsselrolle zukommt. Die besonderen Eigenschaften des Bodens entstehen durch diese Prozesse.

Humus saugt Wasser auf – wie ein Schwamm.
Ist zu viel Wasser da, leitet Humus das Wasser in tiefere Schichten des Bodens weiter. Wird es zu trocken, steigt was Wasser wieder auf. Hier spielen Pilze eine besondere Rolle. Sie sind es, die mit ihren Hyphen tief in den Grund hineinwachsen und das Grundwasser hoch zu den Bäumen bringen.

Bäume und Pilze gehen eine Symbiose ein, die Mykorrhiza genannt wird. Über die Mykorrhiza werden Wasser und Nährsalze in die Feinwurzeln der Pflanzen geleitet. Besonders bei Bäumen ist diese Symbiose beeindruckend. Als Gegenleistung erhalten die Pilze Zucker, den die Pflanzen mittels Photosynthese im Blattgrün herstellen.

Die Mykorrhiza ist eine wichtige Schaltstelle im WWW – im Wood Wide Web!
Über sie läuft ein wesentlicher Teil der Kommunikation im gesamten Wald. Während in unserem WWW – dem Internet – nur Informationen ausgetauscht werden können, werden im Wood Wide Web auch z. B. Nährstoffe ausgetauscht.

Besonders die Pilze tragen so zum effektiven Wasser-Management des Waldes bei.

Der Bodengrund

Der Bodengrund lässt sich prizipiell in drei Schichten einteilen:

  1. Die Humusschicht
    wie oben beschrieben
  2. Die Schicht, in der mineralische und organische Bestandteile gemischt sind.
    In diese Schicht treiben die Bäume ihre Wurzeln. Wenn diese vergehen, entstehen die organischen Bestandteile dieser Schicht.
  3. Diese Schicht wird vom Muttergestein gebildet.

Alle Schichten enthalten das kostbare Wasser.

Fehlt die Humusschicht, trocknen die Schichten darunter schnell aus. Tief unten befindet sich das Grundwasser. Zwar ist das Grundwasser nicht so starken Schwankungen unterworfen, aber in den letzten Jahren sinkt der Grundwasserspiegel kontinuierlich und dramatisch.

An dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig ein intakter Wald für die Wasserversorgung ist. Und zwar sowohl für die Quantität als auch für die Qualität, denn Wald sorgt nicht nur dafür, dass es genug Wasser gibt, er filtert auch das Wasser, so dass das Grundwasser unter einem Wald eine besondere Qualität hat.